So, das 22. BeGeistert ist geschafft! Bis auf die getreuen CodeSprinter Adrien Destugues, Clemens Zeidler, Axel Dörfler, Ingo Weinhold, Oliver Tappe, Michael Lotz und Stephan Aßmus, die noch bis Ende der Woche einen Haiku Programmier Marathon hinlegen.
Leider war die Zahl der Teilnehmer nicht so überwältigend hoch wie kurz nach R1/alpha1 beim letzten Mal im Oktober. Trotzdem waren knapp 30 Leute da; neben alten Bekannten auch ein neuer Entwickler, Sebastian, der sich gleich sehr gut einlebte.
Wie immer nutzten alle die Gelegenheit um ihre aktuellen Projekte und Fortschritte vorzuzeigen und darüber zu fachsimpeln. Jeder hatte sein Notebook dabei und es bildeten sich um die einzelnen Rechner kleine Grüppchen, die sich bald auch wieder auflösten und weiter zogen.
Und natürlich wurden die Haiku Entwickler oft zum Tatort gerufen, falls sich ein System mal ins Kernel Debugging Land verabschiedete oder andere Schwierigkeiten auftraten. Viele der Probleme konnten dann auch gleich vor Ort direkt gelöst werden.
In dieser sehr vertrauten Atmosphäre fanden auch einige Vorträge statt. Den Anfang machte Colin Günther, der leider schon am Samstag Nachmittag wieder abreisen musste. Er berichtete von den Fortschritten der WLAN Treiber seit der R1/alpha1. Sehr viel Neues gab es da leider nicht, weil er mitten in seiner Master-Arbeit steckt, die er ab Mai verteidigt (viel Glück dabei!). Mittlerweile wurden Haiku 12 funktionierende FreeBSD Treiber hinzugefügt. In Sachen Verschlüsselung gibt es jetzt ein setwep Tool, mit dem WEP funktioniert, was allerdings als nicht mehr sicher gilt. Das große Ziel ist daher immer noch WPA. Auch eine grafische Oberfläche zur Erkennung und Konfiguration von Funknetzwerken stehen auf der Liste.
Anschließend hatten alle anwesenden Haiku Entwickler Gelegenheit über den momentanen Status gegenüber der Alpha1 zu berichten.
Demnach ist der größte Alpha2-Blocker ein fehlendes IRQ Routing, was vor allem WLAN betrifft und das System zum Einfrieren bringen kann. Eine Idee ist, für diese Geräte keine gemeinsame Nutzung von IRQs zu erlauben.
Stephans Arbeit an WebKit und WebPositive sind für alle mit einem aktuellen Build von Haiku und Web+ sichtbar.
Ingo werkelte vor allem am Kernel, um Locks zu beseitigen die Haiku unnötig bremsen und dem VM Caching. Haiku und sein BFS sind zwar immer noch weit entfernt von z.B. den hoch-optimierten Linux Komponenten, was besonders beim Kompilieren auffällt, aber es wurden bereits großartige Fortschritte gemacht. Vom Haiku Code Drive gesponsert wird er demnächst Haikus POSIX Kompatibilität verbessern und, falls die Zeit dazu dann reif ist, die R1/alpha2 koordinieren.
Oliver beschäftigte sich in letzter Zeit mit der POSIX Integration von ICU für spätere Lokalisierungsbestrebungen.
Michael setzte die Idee "anyboot" um, mittels dessen aus einem einzigen Image eine CD gebrannt oder ein USB-Stick beschrieben werden kann.
Adrien arbeitete weiter am LocaleKit und behielt die Übersicht über die beim HTA massiv anfallenden Loklisierungsdateien. Richtige Fortschritte im LocaleKit sind im Sommer zu erwarten, wenn Adrien im Rahmen des Haiku Code Drives 2 Monate Vollzeit daran arbeiten kann.
Clemens Hauptaugenmerk lag und liegt bei ACPI zum Powermanagement etc. Wahrscheinlich wird er auch einen Blick auf das IRQ Routing Problem werfen.
Um François Revol - zusammen mit Adrien, Olivier Coursière, Jerome Duval und Michaela, die üblichen französischen Abgesandten - war es in letzter Zeit etwas ruhiger geworden. Wie Colin arbeitet auch er an seiner akademischen Laufbahn. Darum ist er diesmal auch nicht beim Code Sprint dabei. Dafür stellt er den Aufbau von Haiku diese Woche auf der renommierten Eurosys vor. Daneben plant er eine gemeinsame Nutzung von erweiterten Attributen über Betriebssystemgrenzen hinweg.
Ein alter BeGeistert Veteran war auch wieder dabei: Ithamar Adema, der "Cola Coder". Er hat zum Treffen eine Menge Code mitgebracht, der mittlerweile seinen Weg in Haikus SVN gefunden hat. Alles hat mit Drucken zu tun - drei große Features werden damit möglich: Gemeinsame Nutzung von Netzwerkdruckern mittels CUPS, mehrere angeschlossene USB-Drucker können anhand ihrer IDs unterschieden und betrieben werden, Drucken von Postscript auf alle möglichen Drucker mittels Ghostscript.
Und das ist erst der Anfang. Zukünftig werden wir noch einiges mehr von Ithamar in Haikus SVN finden. Alles Dinge, die damals speziell für Zeta programmiert wurde und jetzt, angeglichen und modernisiert, Teil von Haiku werden sollen.
Ithamar steht nämlich im Dienst einer Firma, die ein Haiku-kompatibles Betriebssystem auf den Markt bringen will. Sämtliche Betriebssystem-relevante Entwicklungen sollen in Haikus SVN erfolgen, es ist also kein Fork geplant. Auch soll das Betriebssystem nicht der kommerzielle Kern des Unternehmens sein. Alles ist noch inoffiziell und Ithamar konnte nur sehr sparsam mit den Details sein, aber anscheinend ist geplant mit spezialisierten Anwendungen Geld zu verdienen. Der Name der Firma: yellowTab.
Am Sonntag standen zwei weitere Vorträge auf dem Programm. Als erstes war Niels Reedijk dran mit seinem "Haiku Has No Future", das er schon beim letzten FOSDEM gehalten hatte. Kurz gefasst: "Zukunft" lässt sich heutzutage auf Marktanteil = Geld reduzieren. Unternehmungen mit Zukunft sind z.B. Microsoft, Apple, Google etc. Haiku hat aller Wahrscheinlichkeit nach keine Chance in diesen Club aufzusteigen. Wenn man das überhaupt wirklich will... Was bleibt also? Der Versuch dieses zweifelhafte Ziel zu durchbrechen und sich damit abfinden, dass man einfach "anders" ist und Spaß daran hat.
Später hat dann Jan ein Brennprojekt vorgestellt, das auf Zetas yab-Anwendung JABA basiert. Daraus entstanden ist eine C++ Bibliothek, die von allen Anwendungen genutzt werden kann und die Schnittstelle zum zugrunde liegenden cdrecord bildet. Desweiteren gibt es ein Track Add-On, mit dem Dateien schnell ausgewählt und unkompliziert gebrannt werden können. Die Frage ist jetzt noch, ob es auch eine eigenständige Anwendung á là JABA geben, oder die yab-Anwendung entsprechend angepasst werden soll.
Wieder mal war BeGeistert ein Haiku-Fest das alle Teilnehmer genossen haben. Vermisst wurden die sonst eigentlich immer anwesenden Italiener, die diesmal allerdings den Termin wohl etwas verschwitzt hatten und so diesmal nicht dabei sein konnten. Der Termin für BeGeistert 023 steht noch nicht fest, sollte allerdings voraussichtlich wieder im Oktober sein. Bis dann!

Colin hat mich daran erinnert, dass wir das setwep Tool Alex Botero-Lowry (drax) verdanken und es Matt Madia war, der die Treiber in die Nightly Images integrierte. Mit all den verschiedenen Lizenzen für die nötigen Firmwares keine ganz leichte Aufgabe. Außerdem entwickelte er das Skript mit dem einige Firmwares erstmal runtergeladen werden müssen.